Kann sein, dass ich diesen Text bald wieder runternehme… für den Moment möchte ich aber einfach darüber schreiben.
Die vergangenen Wochen waren ein Film. Mit mir als Statistin und Zuschauerin zugleich.
Mein Papa ist verstorben. Relativ überraschend und – natürlich – viel zu früh.
Mit Trauer bin ich vertraut – und mit Arbeiten während man trauert, erst recht. Aber diesmal ist es zum ersten Mal persönlich persönlich und mir fehlt ein gewisser Abstand zur Situation.
Eigentlich trage ich seit dem Start meiner Selbstständigkeit 2018 so viel Ballast mit, von dem „hier“ im Arbeitskontext niemand etwas weiß. Ich bin online SEHR privat unterwegs – ich schreibe im Blog zwar über jegliche Ängste, Gefühle, Sorgen – aber mein privates Leben bleibt privat.
Was tut man, wenn das Leben so richtig f*ckt – und man selbstständig ist und die Arbeit weiterlaufen soll?
Business as usual machen und nichts anmerken lassen (während man den Kopf unter Wasser hat)?
Sich verkriechen und alles sein lassen?
Meinen Weg teile ich hier. Es ist weder der richtige, noch der einzige, aber wenn nur eine Person sich angesprochen oder verstanden fühlt, war es das schon wert.

Inhaltsverzeichnis
Trauerprozess und Business: (Wie) soll man nach einem Verlust weiterarbeiten?
Dieser Beitrag ist eigentlich nur ein Rant; eine Ansammlung an Gedankenfetzen, die ich aus dem System haben will. Und es hilft gerade, mich wieder nach meinem kreativen Selbst zu fühlen und nicht wie eine Zuschauerin.
Immer wieder frage ich mich, wie ich schlimme Situationen im Privaten und mein Business bislang gewuppt habe? Unfälle, Krankheiten, Demenz, Tod – aber hey, das Business läuft und die Kundenarbeit wird on time erledigt. Während ich oft genug auf dem Zahnfleisch dahergekommen bin.
Heute bin ich klüger, weil ich einen viel kleineren Aufgaben- und Kundenkreis habe als z. B. 2020, und nicht darauf angewiesen bin, X Stunden pro Woche durchzuballern, um Geld zu verdienen, oder von einem Kunden-Launch zum nächsten hechten musste.
Wir Menschen sind so krass belastbar, aber diesmal war’s oana z’vui („einer zu viel“).
Einmal Auszeit von allem, bitte
Wäre ich noch angestellt gewesen, ich wäre so wie meine Geschwister für einen Tag Sonderurlaub der Arbeit ferngeblieben – und dann wieder angetanzt. Hilft ja nichts. (Wiieeee soll man das machen, ehrlich mal???)
Stattdessen habe ich alles runtergefahren.
Habe mich bei meinen wichtigsten Kundinnen abgemeldet und nur noch das Nötigste gemacht:
Newsletter geschrieben (denn tbh, das ist meine persönliche Challenge heuer – alle 2 Wochen einen NL zu verschicken), Buchhaltung vorbereitet (muss halt) und 2, 3 Einmalaufträge und Website-Wartungen erledigt.
… Jetzt wo ich darüber nachdenke, waren das hauptsächlich Dinge, die ich aus dem FF beherrsche, die also wenig kreativen Input von mir benötigten. Anders wärs auch nicht möglich gewesen.
Habe nach einer Woche trotzdem gemerkt: Der Film läuft immer noch. Ich hänge zwischen Trauer, Unglauben und „es muss halt weitergehen„. Es fühlte (und fühlt, teilweise noch) sich so an, als würde ich mir von weitem zusehen; als wäre ich gar nicht die, die arbeitet, E-Mails schreibt, usw. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben, aber das Gefühl ist ätzend.
Zugleich im Kopf immer das nagende Stimmchen: „Du kannst nicht so lange aussetzen. Du hast eine FETTE Steuernachzahlung zu leisten und MUSST Geld verdienen!„
(Die Steuernachzahlung ist eine Geschichte für einen anderen Tag 🙃)
Dieses Stimmchen wurde schließlich von meiner Stimme übertönt – meiner hustenden Stimme. Wenig überraschend hat mich ein paar Tage nach Tag X das KO in Form einer Grippe erwischt und ich lag flach. Und habe schließlich erneut meinen Kundinnen mitgeteilt, dass ich mich für zwei weitere Wochen – bis nach der Bestattung – rausziehe.
Diese Entscheidung zu treffen und weiterzugeben, hat mich zwei Tage hin und her Überlegen gekostet. Weil auch da immer das schlechte Gewissen mitgeschwungen hat: Du warst doch schon eine Woche lang kaum ansprechbar, was werden sie denken???
Kein Wunder. Ich habe mich nutzlos gefühlt, weil das Team einer Kundin den Launch großteils ohne mich vorbereitet hat.
Leer, weil mir nichts eine Freude gemacht hat und ich Nachrichten von Freundinnen beantworten müsste, die gar nicht wussten, was los ist.
„Abgehängt“, weil ich, die so gern immer Neues lernt, gerade Fortbildungen und Workshops ungesehen verstreichen lässt und ihren Platz in einer Mastermindgruppe, für die sie eben angenommen worden ist, wieder abgibt.
… im Nachhinein war dieselängere Auszeit aber absolut wichtig und richtig.
Ich möchte dir einfach mitgeben:
Du darfst eine Auszeit vom Business nehmen und trauern
Wenn du in eine ähnliche Situation kommst oder gerade drinsteckst: it’s okay. Du darfst dich rausziehen. Auch, wenn dadurch dein Business eine Zeit lang steht. Deine KundInnen, AuftraggeberInnen oder dein Team werden es verstehen. Du bist für sie als Mensch unersetzbar, ja, aber sie können auch eine Weile ohne dich arbeiten.
Etwas, das auch ich wieder neu verstehen lernen musste: Du bist selbstständig. Egal ob solo oder mit Team – du bist Unternehmerin oder Unternehmer – du entscheidest.
Wenn du dich dafür entscheidest, Pause zu drücken, ist das gut so! Wenn du dich entscheidest, dich erst recht in die Arbeit zu stürzen, ist das genauso in Ordnung (das kleine „aber“ kommt im nächsten Abschnitt).
Hauptsache, du gibst den wichtigsten Personen – dein Team, KumdInnen oder andere Menschen, die z. B. zeitlich- oder projektabhängig von dir sind, ein kurzes Zeichen.
Übrigens würde ich auch nicht aaalle informieren (es sei denn, du möchtest das) – aber das ist persönliche Präferenz.
Wer das nicht versteht… da muss man sich eh fragen, ob’s bei dieser Person hackt. 🤷🏻♀️
Du musst nach einem Verlust nicht gleich weiterarbeiten
Wenn es sich anfühlt, als könntest du gar nichts auf die Reihe kriegen, trust yourself!
Hör auf deinen Körper – der Kopf ist da oft nicht der richtige Ansprechpartner.
Selbst wenn du dich dafür entscheidest, dich mit Arbeit abzulenken, denk bitte an dich und achte auf die Signale deines Körpers. Er sagt dir, wenns zu viel wird oder er trauern oder leiden will.
Ich wollte das auch nicht wahr haben, aber die Grippe war ein deutliches Zeichen.
Finde etwas, mit dem du dich ablenken kannst, wenn du es brauchst. Mir hat es geholfen (und hilft es noch), mich gedanklich in andere Welten zu verziehen, z. B. bei einem Serien-Binge oder einem Fantasy-Buch.
Mich hat vor allem das Switch-Game „Japanese Rural Life Adventure“ in den letzten Wochen so ein bisschen gerettet.
Was immer es ist – es braucht gar nicht anspruchsvoll zu sein; seichte Unterhaltung reicht dir vielleicht schon als Ablenkung!
Mir persönlich hilft Musik in jeder Stimmungslage. Ich hab mir die Seele im Auto rausgeschrieen zu Death Metal auf Anschlag, zu „Heartstrings Shattering“ von Swallow the Sun geweint (allgemein deren Musik; schlimmste und beste zugleich bei Trauerfällen) – und immer, iiimmer Ghibli Soundtracks laufen gehabt („Merry-Go-Round of Life„!!!).
Kann Produktivität bei Trauer helfen?
Wenn dir die Arbeit hilft, dich abzulenken: Mach!
Auch mir hat’s zwischendurch geholfen, Newsletter zu schreiben oder Kleinigkeiten für Kundinnen zu erledigen. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich keinen Kopf für anspruchsvollere Arbeiten habe und lieber mit Tee an der Switch vor mich hin rotten wollte.
Genauso habe ich z. B. keine Calls oder Team-Meetings wahrgenommenm, also nichts, wo ich mich zeigen musste. Auch da waren meine Kundinnen zum Glück total verständnisvoll und ich hoffe, das sind deine auch.
Seit anderthalb Wochen arbeite ich wieder relativ normal; mit einem gewissen „Welpenschutz“, dank meiner Kundinnen, die mir das gute Gefühl geben, nichts zu müssen.
Gleichzeitig hilft diese Normalität, weiterzumachen.
Ich weiß, dass nicht jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich so wie ich 3 Wochen eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen. Außerdem trauern wir alle unterschiedlich und solche Situationen sind nie gleich. Achte einfach so gut es geht auf dich 💚


